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u&j | Oktober 2014

reportage

N

icht nur das Luxussegment der Uhren-

und Schmuckbranche bedient sich der

gezielten Kundenansprache durch eigene

Boutiquen. Auch einige Lifestyle-Brands wie

Thomas Sabo, Esprit, Fossil oder Pandora

bieten mit diesem Geschäftsmodell dem End-

verbraucher die Möglichkeit, komplett und

ausschließlich in ihre jeweilige Markenwelt

abzutauchen. Im Monobrand-Store kann der

Verbraucher aufgrund des umfassenden

Angebots, das oftmals zusätzlich spezielle

Sondereditionen bereithält, der entsprechen-

den Verkaufsgespräche und der gesamten

Inszenierung von nichts anderem abgelenkt

werden. Auf Flächen, die meist zwischen 40

und 80 m² liegen, ist er in der Markenwelt

gefangen, die damit dieWertschöpfungskette

zur Gänze abgreift und den Reingewinn des

Labels steigert. Thomas Reinshagen,

Geschäftsführer der Pandora Österreich

GmbH, sagt zum Pandora-Store-Konzept:

»Unsere Philosophie ist es, für unsere Kunden

das bestmögliche Markenerlebnis zu bieten.

Nach dieser Maßgabe bestimmen wir unsere

Distribution. Die Wiedererkennbarkeit ist ein

entscheidender Baustein des Erfolgs eines

Markengeschäfts. Die Concept Stores bieten

eine wichtige Möglichkeit, die Marken­

bekanntheit weiter zu stärken und die Produkt­

vielfalt zu zeigen.« Hier wird definitiv nichts

demZufall überlassen. »Das Armbandkonzept

(›Essence Collection‹, exklusiv in den Concept

Stores erhältlich; Anm.) ist das Ergebnis einer

intensiven Analyse kommender Trends und

einer unter 7.500 Frauen weltweit durchge-

führten Studie.« Von Fossil, das immerhin neun

Shops in Eigenregie in Österreich führt, wird

das Leitmotiv der Monobrand-Sores wie folgt

erklärt: »Im eigenen Retail lassen sich Identität

und Lifestyle der Marke besonders authen-

tisch und auf höchstem Niveau erleben,

zudem findet der Kunde hier die Vielfalt des

gesamten Sortiments wieder.« Peter Kellner

von Breitling spricht ebenfalls von einer Ima-

gesteigerung der Marke über den Flagship-

Store am prominenten Wiener Kohlmarkt,

ebenso wie viele andere Labels, die mit ihren

eigenen Geschäften Strahlkraft ausüben und

einen Imagegewinn erreichen wollen. Ob die

Monobrand-Boutiquen dadurch indirekt auch

den Fachhandel bereichern, wenn dieser die

entsprechende Marke im Sortiment führt, ist

fraglich. Werden sie nicht vielen Juwelieren zur

direkten Konkurrenz, wenn zum Beispiel ein

Konzeptgeschäft in unmittelbarer Nähe zu

ihnen aufsperrt?

Der Fachhandel,

der sich inmanchemEinzelfall

bereits über Jahre mit dem Aufbau der Marke

beschäftigt und sie also vor Ort bekannt

gemacht hat, erlebt nicht immer einen fairen

Umgang, wenn die Eröffnung eines Mono­

brand-Stores einer seiner Sortimentsmarken

ansteht. Er kanndannnur ander Fortsetzungder

vertrauensvollen Geschäftsbeziehung zu seinen

Kunden arbeiten und hoffen, dass sie ihm treu

bleiben, der Boutiquebesucher wieder aus der

Markenwelt auftaucht, umzumKauf schlussend-

lich sein Geschäft zu betreten.

KlausWeikhard

,

Juwelier aus Graz entschloss

sich nach Bekanntwerden der

geplanten Monobrandstore-

Geschäftseröffnungen von

Thomas Sabo und Swarovski

diese Marken aus seinem Pro-

duktangebot zu streichen: »

Wenn ein Shop in unmittelbarer Nähe zu unse-

rem Geschäft aufsperrt, halte ich es für sinnlos,

diese Marke weiter zu führen!« Er zweifelt an,

dass die Visibilität einer Marke gewinnbringend

für den Fachhandel sei. Dahingegen bereicherte

er sein Geschäft mit einer exklusiven, in Öster-

reich einzigartigen IWC-Lounge. Die Schweizer

Marke hätte sich sehr kooperativ gezeigt und

ging individuell auf seine Wünsche bezüglich

der Integration der Lounge in sein Geschäft ein.

Gleichzeitig erhielt der Juwelier das Alleinstel-

lungsmerkmal für die Marke IWC in der gesam-

ten Steiermark. Weikhard konnte inzwischen

seinen Umsatz mit den Schweizer Uhren von

IWC um 50 Prozent steigern!

0

»

Luxus in Wien.

Die höchste Dichte an Luxus-

Monobrandstores verzeichnet in Österreich

eindeutig Wien. Nicht umsonst werden Kohl-

markt, Graben und die Kärntner Straße als das

»Goldene U« bezeichnet. Gleich daran ange-

siedelt, hat sich das so genannte »Goldene

Quartier«. Im ersten Wiener Gemeindebezirk

tummeln sich die Luxusmarken mit ihren

Shops von Breguet über Breitling und Cho-

pard bis hin zu Omega und Pomellato. Auch

die Lifestylemarken Fossil, Ti Sento und Tho-

mas Sabo sind hier mit Monobrandstores ver-

treten.

Hermann Gmeiner-Wagner

, Juwelier

in der Wiener Innenstadt,

sieht in dieser Entwicklung

einen weltweiten ´Trend´, der

in Fernost, besonders in

Hongkong und Dubai begon-

nen habe und sich seit etwa

drei bis vier Jahren in Europa

etabliere: »Das ist eine nicht aufzuhaltende

Entwicklung. Die Marken haben erkannt, dass

sie über eine eigene Boutique ihre komplette

Corporate Identity besser darstellen können.

Die gesteigerte Visibilität kann auch dem

Händler Nutzen bringen. In Asien erleben Sie

eine gut funktionierende Koexistenz von Mar-

ken- als auch Multibrandstores. Das kann auch

bei uns so sein, sofern alle Seiten fair dabei

bleiben.« Als es vor vier Jahren an die Planung

seines neuen Geschäftslokales am Graben,

Ecke Tuchlauben ging, habe er die seit 58 Jah-

ren bestehende Zusammenarbeit mit Rolex

um eben diesen Schritt - eine Marken-

Breitling-Boutique , Wien