Uhren&Juwelen 06/2019

16 u&j | 2019 u h r e n Sammelleidenschaft, Sparsamkeit, Nostalgie – die Motive, warum Kunden zur Second-Hand-Uhr greifen, sind vielfältig. Der Gebrauchtuhren-Markt boomt jedenfalls. S pricht man von Vintage-Uhren, dann gibt es aller- dings nach wie vor ein Definitionsproblem. Das liegt nicht zuletzt an der Vielzahl von Begriffen, die sich mittlerweile für das Segment gefunden haben. »Gebraucht« scheint vielen wenig vertrauenserweckend zu klingen, daher verwendet man neben Vintage lieber Second Hand, aber auch pre-owned oder wie bei Chrono24 gar pre- loved. Retro und nachhaltig. Laut Frank-Michael Müller, Chef des Consulters Uhren Monitor, haben die Verbraucher eine andere Vorstellung von »Vintage« als die Industrie. Dazu hat man auch aktuelle Zahlen erhoben: So seien 43 % der Konsumenten der Meinung, Vintage bedeute neue Uhren auf Basis alter Modelle. 31 % verbinden damit »Used Look«. Für 30 % sind Vintage-Uhren alt und getra- gen, für 20 % alt und ungetragen. Nur 14 % definieren Vintage als gebrauchte Uhren. Auch die Bedeutung des Segments hat der Uhren Monitor erhoben: Ein Drittel hat überhaupt kein Interesse an Gebrauchtuhren. Ein weiteres Drittel sei hingegen an sogenannten Re-Editions interes- siert. 23 % würden sehr wohl zu alten, ungetragenen Uhren greifen. Bis vor Kurzem war der Gebrauchtuhren- markt eine Nische, entsprechend wenig Daten habe man zu diesem Bereich, aber: »Ich glaube schon, dass sich da etwas entwickelt«, so Müller. »Tendenziell ist das Inter- esse jedenfalls gestiegen.« Er vergleicht den Markt mit dem Automarkt: »Auch hier ist der Gebrauchtwagen- markt erst Anfang der Siebziger entstanden.« Wer sich keine neue Rolex leisten könne, der würde zu einer güns- tigen, aber guten gebrauchten greifen. Momentan würden mehrere Trends zusammenkommen, die den Griff zur Gebrauchtuhr begünstigen: Nachhaltigkeit, Müllvermei- dung, das Prinzip von »Besitz ist Belastung«, aber auch die Rückbesinnung auf gutes Altes und eine generelle Retro-Mode: »Viele Konsumenten denken sich mittler- weile: Mehr als drei verschiedene Uhren trage ich ohnehin nicht, da kann ich genauso gut eine abgeben.« Und zum Thema Besitz: »Umfragen haben ergeben, dass heute 15 % kein eigenes Auto mehr wollen, sondern auf Car Sha- ring setzen, Tendenz steigend.« Bei Uhren könnte das irgendwann genauso sein. Wie gut sind aber Händler oder Uhrmacher auf diese Entwicklung vorbereitet: »Der Fachhandel setzt sich mit dem Thema zu wenig auseinan- der«, sieht Müller die Branche in der Pflicht. Ein generel- les Problem: »Wir haben beispielsweise auch abgefragt, wo Konsumenten ihre Smartwatch gerne kaufen würden und die meisten haben geantwortet: im Fachhandel. Der ist hingegen überhaupt nicht auf so etwas vorbereitet und müsste sich eindeutig mehr mit dem Thema beschäfti- gen.« Stichwort Smartwatch: »Der Trend zu teuren, mechanischen Uhren beginnt langsam aufzubrechen.« Viel gefragter seien momentan Smartwatches. Wer einen alten Klassiker am Handgelenk trägt, der zeige hingegen Stil und Expertentum. Alte Liebe 01 ALLE BILDER © HERSTELLER

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