Uhren&Juwelen 05/2021

13 u&j | 2021 u h r e n N icolas Borgeaud ist COO des Technologie-Start- ups Adresta. Die Idee zur App hatte er gemeinsam mit seinen jetzigen Mitstreitern und sie begann ursprünglich mit einem Kickbox-Programm der Helvetia Versicherung. Dort beschäftigte sich das Team mit dem Problem der Vertrauensbildung beim Second-Hand-Ver- kauf von Luxusgütern, speziell Luxusuhren. Eindeutig identifiziert. Für Sammler sind neben den Echt- heitszertifikaten auch die Geschichten der einzelnen Uhren relevant. Die Frage, die es zu lösen galt, war daher: Wie las- sen sich Uhren eindeutig, für alle in den Kaufprozess Invol- vierten, identifizieren und wie kann das belegt und kommuni- ziert werden? Im Dezember 2019 gründete Borgeaud gemeinsam mit Leonie Flückiger und Mathew Chittazhathu Adresta, um eine App zu entwickeln, die genau diese Aufgabe erfüllen sollte: »Unsere App bietet einen zeitgemäßen Lösungsansatz. Damit können alle auf einer Blockchain fest- gehaltenen Herstellerangaben wie etwa Zertifikate, eine Dokumentation sämtlicher Verkäufe, Reparatur und Services, Fotos und weitere relevante Daten gespeichert und abgelesen werden«, so Borgeaud. Als Besonderheit kann zudem der Versicherungsschutz über die App abgeschlossen und doku- mentiert werden. Derzeit ist dieser Service allerdings nur in der Schweiz möglich. Hier arbeitet man mit der Helvetia als Versicherungspartner zusammen. In den anderen Ländern, in denen man Fuß fassen möchte, beispielsweise in Österreich, ist man noch auf der Suche nach entsprechenden Partnern. Das Ziel ist aber klar: »Wir möchten ein komplettes digitales Ökosystem um die Uhr erstellen. Über die App können Her- steller, Retailer und Endverbraucher auf die Daten von Uhren zugreifen und diese jederzeit ergänzen.« Die Applika- tion soll so Vertrauen und Transparenz schaffen. Langfristig könnte sich die App zu einem Instagram für Uhren entwi- ckeln, wo sich Uhrenbegeisterte zu Communitys zusammen- schließen und sich über ihr Lieblingsthema Uhren austau- schen können. In einer Testphase der App hat das alle Teil- nehmer begeistert. Datenhoheit. Wenn verschiedene Besitzer, Vorbesitzer, Händler oder Hersteller Zugriff auf diese Daten haben, stellt sich natürlich die Frage nach der Sicherheit: »Die Hoheit über die Daten hat der jeweilige Besitzer«, so Nicolas Borgeaud. Um die App zu finanzieren, möchten die Adresta- Macher mit den Herstellern zusammenarbeiten und von diesen eine Gebühr für den auf der App programmierten digitalen Zwilling oder Nutzungsgebühren verlangen. Im Gegenzug sollen die Hersteller so einen Überblick über »ihre« Uhren und eine direkte Möglichkeit zur Kommunika- tion mit den Besitzern bekommen. Auch können sie die User der App über Targeted Messages mit Werbung oder Infor- mationen erreichen. Entsprechend groß ist daher das Inter- esse, dass die Uhrenbesitzer bereit sind, ihre Daten auch zu teilen: »Letztendlich entscheidet der User aber immer selbst, ob er seine Daten preisgeben will«, erklärt der Jungunter- nehmer. Und: »Das hat auch für die User Vorteile. Sie können neben wertvollen Hinweisen zu ihren Uhren auch Incentives wie eine Garantieverlängerung bekommen.« Für Borgeaud steht jedenfalls fest, dass die Branche reif ist für solch eine App: »Corona hat die Digitalisierung extrem beschleunigt. Zudem sind digitale Anwendungen State of the Art, wenn es um die Kommunikation mit Millenials oder der Gen Z geht – und das ist eben bald die überwie- gende Käuferschicht.« CS t Die drei Adestra-Gründer Leonie Flückiger, Mathew Chittazhathu und Nicolas Borgeaud Luxusuhren sind nicht mehr nur Zeitmesser oder Statussymbol, sie entwickeln sich auch immer mehr zur veritablen Geldanlage. Da tun entsprechende Systeme für Dokumentation und Legitimation not. Alles App-gespeichert © ADRESTA

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxNTI=