Corona-Schlusslicht Bekleidungshandel

Die heute von der WKO vorgelegten Zahlen beweisen: Keine Handelsbranche wurde von Corona so stark getroffen wie der Modehandel. 80 % der Händler befürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Lage.

© WKO Handelsobmann Peter Buchmüller, Foto: Wilke

© WKO/KMU Austria: Umsatzentwicklung in den Monaten Jänner bis April 2020

»Corona hinterlässt in fast allen Bereichen des österreichischen Einzelhandels deutliche Spuren, in manchen Bereichen wie zum Beispiel den modischen Branchen sehr tiefe Furchen«, beurteilt Peter Buchmüller, scheidender Obmann der WKÖ-Bundessparte Handel, die Umsatzentwicklung im Einzelhandel in den letzten Monaten. Und er belegt das mit den Zahlen der monatlichen Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria.

Das erste Quartal

Demnach konnte der stationäre Einzelhandel seine Umsätze im Jänner um 2,6 %, im Februar sogar um 7,7 % steigern. Auch der Bekleidungshandel startete mit + 2,9 % bzw. + 4,2 % höchst erfreulich ins Jahr 2020. Doch mit dem ersten Corona-Monat kam der Einbruch: Mit Ausnahme des Lebensmittelhandels, der seine Umsätze im März um 16,6 % steigern konnte, stürzten alle anderen Handelszweige tief ins Minus. Im Schnitt weisen alle Handelsbranchen abseits der Grundversorgung ein Umsatzminus von 42,8 % aus. Ganz am untersten Ende im Branchenvergleich stehen der Bekleidungshandel (- 61,6 %) sowie der Schuh- und Lederwarenhandel (- 65,4 %). Schon in der Woche vor dem Lockdown am 16. März war die Nachfrage nach Modeartikeln im Keller.

Langsame Wiederöffnung im April

Mit 14. April durften zumindest kleinere Geschäfte abseits von Einkaufszentren wieder aufsperren, jene mit mehr als 400 m2 folgten erst Anfang Mai. Für den gesamten Einzelhandel brachte der Monat April damit abermals tiefrote Zahlen – wieder mit Ausnahme des Lebensmittelhandels, der ja auch während des Lockdowns zur Gänze offenhalten durfte. Während dieser seine Umsätze im April um 12,6 % steigern konnte, verbuchte der Einzelhandel abseits der Grundversorgung ein Minus von 46,2 %. Schlusslicht im Branchenvergleich war der Bekleidungshandel mit - 70,9 %, diesmal gefolgt vom Möbelhandel (- 61,6 %) und dem Schuh- und Lederwarenhandel (- 58,1 %).

 

WKO/KMU Forschung Austria

Die Umsatzentwicklung in den Monaten Jänner bis April

 

Nachziehkäufe im Mai

Für Mai liegen noch keine vollständigen Zahlen vor. Erste heute veröffentlichte Ergebnisse deuten aber auf eine deutliche Erholung hin: Laut vorläufigen Zahlen rechnet die KMU Forschung Austria mit einem Umsatzplus für den gesamten stationären Einzelhandel in Höhe von 3,3 %. Exklusive der Grundversorgung wird nur noch ein kleines Minus von 3,9 % ausgewiesen. Wie groß die Rolle ist, die hierbei Nachziehkäufe etwa im Bereich von Einrichtungsgegenständen oder Elektrogeräten spielen, ist noch schwer zu beurteilen. Zahlen für den Bekleidungshandel liegen noch nicht vor, wobei man bei der KMU Forschung davon ausgeht, dass sich die Branche abermals am untersten Ende der Skala wiederfinden wird und die Rückgänge auch im Mai deutlich stärker ausfielen als in anderen Handelszweigen. Dass sich die Situation in der Modebranche jedoch noch kaum entspannt hat, zeigt der ebenfalls von der KMU Forschung erhobene Geschäftsklima-Index: Auch im Juni gingen noch mehr als 80 % der Bekleidungshändler von einer weiteren Verschlechterung ihrer Geschäftslage aus. Beispielsweise im Baumarktsektor überwiegen bereits deutlich die Optimisten (+ 40 %).

Profiteur Online-Handel

Profitieren von der Situation konnte auch der österreichische Internet-Einzelhandel. Er steigerte seine Umsätze im März um 50 %, im April sogar um rund 150 %. »Digitalisierungsfit zu sein zahlt sich aus«, kommentierte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer, diese Entwicklung. Laut WKO will – auch als Folge von Corona – jeder zehnte Händler, der noch keinen Internet-Verkauf hat, noch heuer mit einem Online-Verkauf starten. Bereits in der Lockdown-Phase sind zahlreiche Unternehmen, auch aus der Modebranche, erstmals mit einem Online-Shop ans Netz gegangen.

Appell zum Einkauf in Österreich

»Vielen Händlerinnen und Händlern geht es sehr schlecht, und sie stehen vor noch nie dagewesenen Herausforderungen«, fasst Handelsobmann Buchmüller die »höchst dramatische Situation« zusammen und appelliert deshalb an die Kunden: »Kauft in Österreich! Das sichert Arbeitsplätze und die Vielfalt der Handelslandschaft in unserem Land.«

 

Autor: Manuel Friedl, www.textilzeitung.at