Corona verändert Einkaufsstraßen und Shopping Center

Die Corona-Pandemie treibt den Wandel im Einzelhandel voran. Weniger Mode, dafür mehr Lebensmittel sowie steigenden Leerstand und sinkende Mieten sieht man bei EHL Immobilien.

© picturedesk

Die Covid-Epidemie lässt den Anteil des Onlinehandels weiter wachsen. Schutzmaßnahmen dämpfen die Kauflaune. Dazu gibt es erstmals seit Jahren starke Rückgänge im (Städte-)Tourismus: All das werde dazu führen, dass die Einkaufsstraßen und Einkaufszentren in den kommenden Jahren einen tiefgreifenden Wandel erleben werden. Wie dem Geschäftsflächenbericht Herbst 2020 des Wiener Immobiliendienstleisters EHL zu entnehmen ist, dünnen insbesondere die Branchen Mode, Schuhe und Elektro/Elektronik »in bedeutendem Ausmaß« ihre Filialnetze aus. Freiwerdende Flächen können nur zu einem Teil vom Lebensmittelhandel, von Diskontern, der Gastronomie und Dienstleistern (z.B. aus dem Gesundheitsbereich) absorbiert werden.

Leerstand steigt, Mieten sinken

Die Ausdünnung der Filialnetze sowie die Verkleinerung von Filialen findet an zahlreichen Standorten auch in Form steigender Leerstandsraten und sinkender Mieterwartungen Niederschlag. »Die Entwicklung ist aber je nach Standort und lokalen Gegebenheiten sehr unterschiedlich«, so Schwaiger. »Generell sehen wir, dass es seitens der Mieter und der Vermieter aber große Bereitschaft zu einvernehmlichen Lösungen gibt. In der Regel ist es für alle Seiten am sinnvollsten, für die aktuelle, durch Corona beeinträchtigte Periode eine Vereinbarung mit eher kurzer Laufzeit zu treffen, um die Vertragsbeziehungen danach wieder rasch und unkompliziert am Normalmodus orientieren zu können.«

Konzentration auf beste Einkaufslagen

Generell stellt Mario Schwaiger, Leiter der Abteilung Retail der EHL Gewerbeimmobilien GmbH, fest, »dass Corona kaum Entwicklungen auslöst, die es nicht auch ohne die Epidemie gegeben hätte, aber dass diese jetzt viel rascher und radikaler ablaufen als es sonst der Fall gewesen wäre.« Tempo und Ausmaß des Wandels sei »außergewöhnlich«, so Schwaiger.
Das gilt auch für die Tendenzen zur Konzentration des Handels auf die besten Einkaufslagen. Wenn Flächen an nur durchschnittlichen Standorten frei werden, werden diese immer öfter nicht wieder an Einzelhandelsunternehmen vermietet, sondern Umnutzungen z.B. für Wohn- oder Lagerzwecke angestrebt. Zudem werden aktuell sogar auch in guten und sehr guten Lagen vermehrt Flächen frei. Dies öffnet neuen Interessenten die Möglichkeit, schon längere Zeit geplante, aber bisher nicht mögliche Wechsel an Topstandorte vorzunehmen. »Die aktuelle Situation ist schwierig, aber nicht katastrophal. Sie zwingt zu Veränderungen, eröffnet aber auch Chancen«, fasst Schwaiger zusammen.

 

Von: Manuel Friedl, www.textilzeitung.at