Freizeit schlägt Handel

Die Ausgaben für Freizeit, Urlaub und Gastronomiebesuche sind 2018 überdurchschnittlich gestiegen. Da ist es nicht verwunderlich, dass für den Einzelhandel kaum etwas übrig bleibt.

Symbolbild: Shoppen auf der Mariahilferstraße, Wien © Michael Gruber

Die Konsumausgaben privater Haushalte stiegen im Jahr 2018 um 2,8 %. Der Einzelhandel schlug sich jedoch nur unterdurchschnittlich, zeigt eine aktuelle Marktstudie von Branchenradar.com. So stiegen etwa die Ausgaben für Verkehr vor allem aufgrund gestiegener Benzinpreise um 4,0 %. Überdurchschnittlich wuchsen auch die Ausgaben für Urlaub und Freizeit (+ 3,5 %), wobei etwa die Hälfte der Mehrausgaben für Gastronomiebesuche (+ 5,0 %) ausgegeben wurden. Ein Ausgabentreiber blieb aufgrund stark steigender Preise für Miete & Co. auch der Sektor Wohnen (+ 3,2 %). Und schließlich floss mit + 3,5 % auch deutlich mehr Geld in den Bereich Persönliche Dienstleistungen als im Jahr davor. Hierzu zählen etwa Alten- und Behindertenpflege sowie medizinische Behandlungen.

Der Einzelhandel

Kein Wunder, dass da für den Einzelhandel nicht mehr allzu viel an Wachstumsspielraum übrig blieb. Der gesamte Bereich der Wareneinkäufe (exkl. KFZ) musste sich mit einem Plus von 2,2 % begnügen. In Summe gaben die österreichischen Haushalte laut Branchenradar.com 62,1 Mrd. € für Waren im Einzelhandel aus. Der weitaus größte Brocken davon floss in den Lebensmittelsektor (+ 23,4 Mrd. €), der mit + 2,9 % gleichzeitig innerhalb des Handels zu den expansivsten Branchen zählte. Absoluter Branchensieger war jedoch der Sportartikelhandel, der sich gleich um 6,9 % steigern konnte. Branchenradar-Geschäftsführer Andreas Kreuzer macht hierfür einerseits den allgemeinen Trend in Richtung Urlaub und Freizeit, andererseits auch konkret den Boom in der Produktgruppe E-Bikes verantwortlich. So stiegen die Ausgaben für Fahrräder alleine um 13 %.

Der Modehandel

Auch der Modehandel schlug sich laut den Zahlen nicht schlecht: Insgesamt wurden 2018 um 2,2 % mehr für Bekleidung und Schuhe ausgegeben als im Jahr davor, was in absoluten Zahlen immerhin einer Steigerung um 204 Mio. € auf 9,3 Mrd. € entspricht. Allerdings ging das Wachstum fast zur Gänze auf das Konto des Online-Handels. Denn während die Kunden dort im Vorjahr gleich um 6,8 % mehr Geld ließen, stiegen die Einkäufe im stationären Handel lediglich um 0,9 %. Insgesamt kommt Branchenradar im Bereich Bekleidung und Schuhe derzeit auf einen Online-Anteil von 23,2 %. Das ist ein ganzer Prozentpunkt mehr als ein Jahr zuvor. Innerhalb des Einzelhandels wird die Branche damit nur vom Buch- und Zeitschriftenhandel überflügelt, der bereits auf einen Online-Anteil von 29,3 % kommt. Innerhalb der Mode liegt wiederum die Damenbekleidung mit 25,8 % Online-Anteil an der Spitze, während die Herren dem E-Commerce mit 15,5 % am Ausgabenvolumen noch deutlich zögerlicher gegenüberstehen. Hervorgestrichen wird von Andreas Kreutzer der hohe Preisdruck im Modehandel, den er als Folge der starken Konkurrenz vor allem durch den Onlinehandel sieht. Mit einer Teuerung von lediglich 0,6 % gehört die Branche zu den Schlusslichtern.

E-Commerce-Anteil wächst weiter

Über alle Handelsbranchen hinweg hat der E-Commerce 2018 erneut massiv an Bedeutung gewonnen. Mit + 11,2 % wächst er achtmal so schnell wie der stationäre Handel. Der Online-Anteil an den gesamten Einzelhandelsausgaben wuchs damit innerhalb eines Jahres von 8,1 % auf 8,8 % - Tendenz weiter steigend. Die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten sowie die nahezu unbeschränkte Verfügbarkeit der Waren nennt der Marktforscher als entscheidende Vorteile des Online-Handels.