Handel verliert 2,2 Mrd. € Umsatz

Die Umsatzverluste im zweiten Lockdown sind höher als im ersten. Für die Tage nach der Wiedereröffnung des Handels am 7. Dezember wird ein »Tsunami« prognostiziert.

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Der zweite Lockdown dürfte den österreichischen Einzelhandel pro Tag 130 Mio. € Umsatz kosten. Das wäre mehr als im ersten Lockdown im Frühjahr, als das Umsatzminus 110 Mio. € täglich betrug, schätzt das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Johannes Kepler Universität in Linz. Bei 17 Schließtagen würde sich der Umsatzverlust auf 2,2 Mrd. € brutto summieren. Zur Einordnung: Im gesamten Kalenderjahr erwirtschaftete der österreichische Einzelhandel einen Brutto-Umsatz von 77,1 Mrd. €.

Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft

Für das Weihnachtsgeschäft bleibt das Institut verhalten optimistisch. Aufgrund einer Umfrage unter mehr als 1.000 Konsumenten, die allerdings bereits Anfang November und damit noch vor Bekanntgabe des zweiten Lockdowns durchgeführt wurde, sei mit annähernd stabilen Ausgaben für Weihnachtsgeschenke zu rechnen. Zwar wolle rund ein Viertel der Geschenkekäufer (24 %) weniger für Geschenke ausgeben als im Vorjahr, andererseits wollten besonders einkommensstarke Schichten sowie Pensionisten, die durch Corona keine Einkommensverluste zu verschmerzen hatten, ihre Ausgaben sogar tendenziell erhöhen. »In Summe könnten die Weihnachtsausgaben 2020 fast das Vorjahresniveau erreichen. Mit geplanten Ausgaben für Weihnachtsgeschenke in Höhe von rd. € 1,97 Mrd. würden diese heuer ,nur‘ um 2 % unter jenes des Vorjahres liegen«, heißt es dazu in einer Aussendung des Instituts.
Zu erwarten sei zwar, dass der Online-Handel aufgrund des Lockdowns noch einmal dazugewinnen werde. Doch unter der Annahme, dass die stationären Geschäfte tatsächlich wie geplant am 7. Dezember wiedereröffnen können, werde dieser immer noch den weitaus größten Teil des Umsatzes für sich lukrieren. So prognostizieren die Forscher für den stationären Handel einen Anteil von 76 bis 79 %, für den Internet-Einzelhandel einen Anteil von 21 bis 24 % an den Ausgaben für Weihnachtsgeschenke.

»Tsunami« am 8. Dezember?

Offen sei jedoch, was im Anschluss an den Lockdown geschehe, gibt das IHaM zu bedenken. Es sei zu befürchten, dass am 8. Dezember, traditionell einem der stärksten Einkaufstage des Jahres, »ein Tsunami auf den stationären Einzelhandel einbricht, der de facto nur schwer zu kontrollieren sein wird«. Das Wochenende vor Beginn des Lockdowns habe darauf einen Vorgeschmack geboten. »Aktuell scheint bezüglich der Zeit nach dem Lockdown #2 auf allen Seiten die pragmatische Sichtweise vorzuherrschen: We will cross that bridge when we get to it.«

 

Autor: Manuel Friedl, www.textilzeitung.at