Keine Euphorie vor Weihnachtsgeschäft

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erwartet für das diesjährige heimische Weihnachtsgeschäft im Handel ein kleines Minus.

© Messepark Dornbirn

"Hoffnungsvoll aber skeptisch" blickt Rainer Will vom Handelsverband auf das anlaufende Weihnachtsgeschäft. "Die Betonung liegt aber auf skeptisch", setzt er nach. "Im >heißen< Herbst hatten wir eine schwache Umsatzentwicklung, die zu hohen Lagerbeständen und hohem Abschreibungsbedarf geführt hat. Jetzt passt aber zumindest das Wetter." Rückenwind sei zwar von den positiven volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erwarten. Doch von diesen habe der Einzelhandel im bisherigen Jahresverlauf kaum profitiert. Für das Weihnachtsgeschäft, also den Mehrumsatz, der im Dezember gegenüber dem Durchschnitt der Monate Jänner bis November erzielt wird, erwartet das WIFO deshalb einen leichten Rückgang von 1,26 auf 1,25 Mrd. Euro. Die gesamten Dezember-Umsätze sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut ebenfalls leicht unter Vorjahresniveau (-0,6 % auf 6,27 Mrd. Euro).

Wobei die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts über die Jahrzehnte deutlich abgenommen hat, wie Jürgen Bierbauer-Polly vom WIFO erklärt. "In den 50er-Jahren stand das Weihnachtsgeschäft noch für mehr als 10 % des Jahresumsatzes, heute sind wir bei nur noch 2 %." Über alle Einzelhandelsbranchen hinweg wird im Dezember nur noch rund ein Viertel mehr umgesetzt als in einem durchschnittlichen Monat. Ausnahmen sind Spielwaren sowie Uhren und Schmuck, die im Dezember mehr als doppelt so viel umsetzen wie sonst. 

Weihnachtsumsätze werden "verschoben"
Auch in den letzten Jahren hat sich das Weihnachtsgeschäft sukzessive verringert. Das heißt aber nicht, dass weniger verschenkt wird. Vielmehr verteilen sich die Umsätze besser über das Jahr, wie Bierbauer-Polly erklärt: "Sonder-Aktionstage im November, wie etwa Black Friday, Cyber Monday bzw. Cyber Week, aber auch der anhaltende Trend zu Gutscheingeschenken, die erst bei Einlösung in den Folgemonaten als Umsatz gezählt werden, verschieben die klassischen Weihnachtsumsätze auf andere Monate." Ein anderer Grund, warum die Umsatzspitzen zuletzt immer niedriger ausfallen, ist für den heimischen Handel weit weniger erfreulich: Laut WIFO-Schätzung fließen 15 % des Weihnachtsumsatzes in den Online-Handel, und davon wiederum mehr als die Hälfte zu ausländischen Händlern wie Amazon und Zalando. Aber auch Geschenke außerhalb des Handels gewinnen weiter an Wichtigkeit, etwa das Wellness-Wochenende oder die Mitgliedschaft im Fitnesscenter.

Plus von 1,8 % gegenüber 2017 erwartet
Aufgrund der bisher vorliegenden Daten sowie der Prognosen für das Weihnachtsgeschäft geht der Handelsverband für heuer von einem Brutto-Umsatz für den gesamten stationären Einzelhandel in Höhe von 71,8 Mrd. Euro aus. Das wäre ein Plus von 1,8 % gegenüber 2017. "Bei einer prognostizieren Inflationsrate von 2,0 % würde das ein reales Minus bedeuten", bedauert Will.