LVMH-Chef steigt groß bei Birkenstock ein

Der deutsche Sandalenhersteller geht mehrheitlich an Unternehmen aus dem Umfeld des französischen Luxuskonzerns LVMH. Ein Wachstum in Asien sowie im E-Commerce und mit eigenen Filialen ist geplant.

© Birkenstock

Der einst als altbacken geltende Sandalenhersteller Birkenstock ist endgültig in der A-Liga angekommen. In den letzten Jahren hat sich das deutsche Familienunternehmen zur Kultmarke auch bei manchen Promis gemausert. Nun erfolgt der Ritterschlag: Die weltbekannte Schuhmarke geht mehrheitlich an zwei Beteiligungsgesellschaften, die dem französischen Luxuskonzern LVMH mit Marken wie Louis Vuitton und Christian Dior nahestehen.
Konkret verkaufen die beiden Brüder Christian und Alex Birkenstock einen Großteil ihrer Firmenanteile an die amerikanisch-französische Beteiligungsgesellschaft L Catterton sowie an die Familienholding Financière Agache. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Laut Reuters soll Birkenstock bei dem Deal jedoch mit 4 Mrd. € bewertet worden sein. Financière Agache ist die Holdinggesellschaft des milliardenschweren LVMH-Chefs Bernard Arnault und Mehrheitsaktionär von LVMH. Auch L Catterton ist eng mit dem französischen Luxushersteller verbandelt, sowohl LVMH als auch Arnault selbst sind am Unternehmen beteiligt.

»Vision für die nächsten 250 Jahre«

Die Erben Christian und Alex Birkenstock bleiben Minderheitsgesellschafter. Den Verkauf der Mehrheitsanteile begründeten sie so: »Für die nächsten 250 Jahre brauchen wir Partner mit der gleichen strategischen und langfristigen Vision wie die der Familie Birkenstock. In L Catterton and Financière Agache haben wir diese Partner gefunden.« Eine Anspielung darauf, dass Birkenstock schon fast 250 Jahre alt ist – die Anfänge reichen bis 1774 zurück. »Wir bekommen durch die neuen Miteigentümer exzellente Marktzugänge und Kontakte in Asien und können unseren Wachstumskurs beschleunigt fortsetzen«, sagte Geschäftsführer Oliver Reichert dem »Handelsblatt«. Aber auch im Bereich E-Commerce und im Ausbau des eigenen Filialgeschäfts werde Birkenstock vom Know-how der neuen Eigentümer profitieren.
Bernard Arnault verwies darauf, Birkenstock habe sich »zu einer der wenigen ikonischen Marken in der Schuhindustrie entwickelt. Wir schätzen Marken mit diesem langen Erbe sehr.«

Im Corona-Jahr stabil

Das deutsche Familienunternehmen in sechster Generation mit rund 4.300 Beschäftigten steht nach eigenen Angaben wirtschaftlich auf stabilen Füßen. 2019 habe es rund 720 Mio. € Umsatz und 130 Mio. € Nettogewinn verbucht – und auch im Corona-Jahr 2020 trotz zweimonatiger Fabrikschließungen Erlöse etwa auf Vorjahresniveau erwirtschaftet.
Keinesfalls handle es sich um den Ausverkauf einer deutschen Traditionsfirma, versichert Birkenstock. Alle Jobs blieben erhalten, ebenso der Stammsitz in Linz am Rhein (Rheinland-Pfalz). Erst kürzlich seien die Investitionen in die Produktionsstätten erhöht worden. Diese befänden sich fast alle in Deutschland – abgesehen von einem Standort in Portugal.
Birkenstock bezeichnet sich als Erfinder des Fußbetts. Heute setzt das Unternehmen auf Lifestyle. Die Marke bietet neben den klassischen Sandalen auch geschlossene Schuhe, Socken, Taschen und Gürtel an – und seit 2017 auch Naturkosmetik und Betten.
Im Oktober 2019 wurde in der Wiener Kärntner Straße ein neuer Monobrand-Store eröffnet.

Von: Manuel Friedl, www.textilzeitug.at