Schnelles Eingeständnis um FFP2-Masken aus China

Der niederösterreichische Maskenhersteller, ein Joint Venture aus Palmers und Lenzing, überrascht mit einem Eingeständnis, die Ermittlungen wegen Betrugs laufen weiter.

© Hygiene Austria LP GmbH

Gegen den Schutzmaskenhersteller Hygiene Austria gibt es den Verdacht, dass in China produzierte Masken falsch etikettiert und als österreichische Produkte verkauft wurden. Einen Tag nach zahlreichen Razzien nahm das Unternehmen nun erstmals zu den Vorwürfen via APA Stellung - und gibt zu, chinesischen Produkte »umetikettiert« zu haben: »Als die Einführung einer FFP2 Maskenpflicht angekündigt wurde, wurde bei Hygiene Austria sofort mit der Aufstockung der Produktionskapazitäten begonnen. 11 neue Produktionslinien sind mit Mitte März in Betrieb mit einer monatlichen Kapazität von bis zu 25 Millionen Stück. Das entspricht einer Verdreifachung der Kapazität innerhalb von drei Monaten. Mittlerweile arbeiten 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im 3-Schichtbetrieb rund um die Uhr zum Schutz der österreichischen Bevölkerung. Um den zwischenzeitlichen Nachfrageanstieg zu bewältigen, wurde ein chinesischer Lohnfabrikant mit der Produktion von Masken nach dem Baumuster der Hygiene Austria beauftragt.«
Die Vorwürfe Schwarzarbeit und Betrug weist die Unternehmensleitung zurück: Professionelle österreichische Personaldienstleistungsunternehmen seien von Hygiene Austria mit der Überlassung von Arbeitskräften beauftragt worden, in deren Verantwortung läge eine rechtmäßige und ordnungsgemäße Anmeldung. Und: Die Hygiene Austria arbeite auf den Grundlagen der österreichischen Gesetze und verkauft ausschließlich hochwertige Masken nach rot-weiß-rotem Qualitätsstandard. Richtig sei, dass zum Ausgleich einer Nachfragespitze ein Lohnhersteller hinzugezogen wurde.

Lenzing übernimmt Kontrolle

Das sieht man derzeit im heimischen Einzelhandel, an den besonders viele Masken gingen, anders. Zeitgleich nahmen die Rewe-Gruppe, Hofer und dm die FFP2-Masken aus den Regalen, den Kunden wird der Kaufpreis rückerstattet.
Auch bei Lenzing hat man rasch reagiert: Wie schon länger geplant übernimmt der börsennotierte Faserhersteller bei der Hygiene Austria LP GmbH die Managementkontrolle und setzt mit Stephan Sielaff einen zusätzlichen Geschäftsführer ein. Außerdem werde ein externes forensisches Untersuchungsteam bestellt, um zum Masken-Produktionsthema »Klarheit zu schaffen«, teilte das Unternehmen mit. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den enormen Imageschaden für die beiden an Hygiene Austria beteiligten Unternehmen abzuwenden, bleibt abzuwarten.

von: Brigitte Pfeifer-Medlin