Teilverkauf der Shopping City Süd

Österreichs größtes Einkaufszentrum geht zu 45 Prozent an französische Crédit Agricole. Der bisheriger Alleineigner Unibail-Rodamco-Westfield bekommt 480 Mio. Euro dafür.

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So viel zur oft gehörten These, dass der stationäre Handel und insbesondere periphere Shopping Center dem Tod geweiht seien: Die französische Großbank Crédit Agricole Assurances legt 480 Mio. Euro für einen 45-prozentigen Anteil an der Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf auf den Tisch. Der Netto-Angebotspreis für die gesamte Immobilie liegt bei 1,065 Mrd. Euro, berichtet die APA.

Österreichs größter Shoppingtempel habe die Coronakrise bisher »solide gemeistert«, heißt es vom bisherigen Alleineigentümer Unibail-Rodamco-Westfield (URW). »Gerade die zahlreichen Neu-Eröffnungen und Markteintritte von internationalen Marken in den letzten Monaten (Maisons du Monde, Mister Spex, Dyson etc.) zeigen, dass die SCS als Retail-Standort ein Alleinstellungsmerkmal auf dem österreichischen Markt genießt.« Die Veräußerung eines Minderheitsanteils an einen internationalen Investor zeige, dass die SCS am europäischen Markt »als resilientes und ertragssicheres Asset etabliert« sei. Die SCS zähle mit rund 25 Millionen Besuchern pro Jahr zu den zehn besucherstärksten Einkaufszentren in Europa. Unibail-Rodamco-Westfield hat weiterhin das Management des Centers über.

URW mit buchhalterischem Milliardenverlust

Der auf Einkaufszentren spezialisierte französische Immobilienkonzern Unibail-Rodamco-Westfield wurde stark von der Corona-Pandemie getroffen. Die Mieteinnahmen gingen im Geschäftsjahr 2020 um fast 30 % zurück. Als operatives Ergebnis weist der börsennotierte Konzerns ein Minus in Höhe von 6,95 Mrd. Euro aus (2019: + 781,8 Mio. Euro). Für den Mega-Verlust sind vor allem Abwertungen in Höhe von 6,4 Mrd. Euro verantwortlich.
Die Netto-Mieteinnahmen sanken auf rund 1,8 Mrd. Euro (2019: 2,5 Mrd. Euro), die Umsätze der eingemieteten Händler lagen nur bei 63 % des Vorjahres. In Österreich sanken die Mieteinnahmen um 22,7 % auf 114,1 Mio. €, die Umsätze der Mieter um 29 %. Zum Portfolio des Konzerns gehört in Österreich auch das Wiener Donauzentrum.
Bis Jahresende 2022 sollen nun europäische Vermögenswerte im Wert von 4 Mrd. Euro verkauft werden.

Die Geschichte der SCS

Anfang der 1970er-Jahre hatte der Wiener Textilfabrikant Hans Dujsik (1924 bis 2003) die Idee, am Stadtrand von Wien eine neue Einkaufsstadt zu gründen. 1976 wurde die Shoppingmall eröffnet. 1977 machte dort das erste Ikea-Möbelhaus in Österreich auf. 1988 wurde die SCS um eine Verkaufsfläche von 40.000 Quadratmeter erweitert, 1989 erhielt der Shoppingtempel eine eigene Autobahnabfahrt. 1994 kam das Multiplex mit Kino-Center dazu. 2002 wurden Haupthaus, Ikea und Multiplex verbunden.
Unibail-Rodamco-Westfield (damals Unibail-Rodamco) übernahm die Shopping City Süd im Jahr 2008 von der Hans Dujsik Privatstiftung. Medien hatten den Kaufpreis damals mit 600 bis 800 Mio. Euro beziffert. Von Mitte 2010 bis Ende 2013 wurde die SCS bei laufendem Betrieb um rund 150 Mio. Euro modernisiert und umgebaut.

Laut Website hat die SCS 235.000 m2 Verkaufsfläche und rund 330 Shops, in denen 5.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt werden. Das gesamte SCS-Areal macht jährlich einen Umsatz von 1,16 Mrd. Euro.

Von: Manuel Friedl, www.textilzeitung.at