Wien und Niederösterreich beenden den harten Lockdown

In Wien und Niederösterreich darf der Modehandel am 3. Mai wieder aufsperren. Die Öffnung von Gastronomie und Hotellerie am 19. Mai wird indessen freudig begrüßt.

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Mit 19. Mai dürfen bundesweit die meisten Wirtschaftsbranchen wieder aufsperren. Allen voran Gastronomie und Hotellerie, aber auch Fitnessstudios, Thermen und andere Freizeiteinrichtungen dürfen öffnen, Messen können wieder stattfinden. Allerdings gelten, außer im Handel, Impf- oder Testnachweise als Voraussetzung um dabei zu sein. Sperrstunde ist allgemein 22 Uhr, womit die Nachtgastronomie und Bars noch warten müssen, zumindest bis Juli. Einzelne Bundesländer können aber strengere Beschränkungen verhängen, wenn es zu viele Coronafälle gibt. Das teilte die Bundesregierung letzten Freitag mit.

»Kommunizierende Gefäße«

Auch der Handel geht davon aus, von der Öffnung der Gastronomie und Hotellerie zu profitieren, sind die Branchen doch eng miteinander verwoben. »Durch die geplante Öffnung am 19. Mai haben die Händler nun endlich wieder eine Perspektive«, freut sich Rainer Trefelik, Obmann der Bundesparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). »Denn bei vielen Konsumenten erzeugt die Möglichkeit, zwischendurch einen Kaffee trinken zu gehen und einen Happen zu sich zu nehmen, die Lust an spontanen Zusatzeinkäufen, die der Handel braucht wie einen Bissen Brot.« Die Öffnung der Kultur sei ein weiteres wichtiges Signal in Richtung Shoppinglaune. »Gastronomie und Tourismus sind kommunizierende Gefäße, sie sind wirtschaftlich stark voneinander abhängig«, betont auch Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will. »Jede Woche Lockdown light kostet die österreichischen Händler rund 250 Mio. Euro Umsatz, da sich fehlende Cafés und Restaurants negativ auf die Kundenfrequenz und Aufenthaltsdauer auswirken.«


Trefelik rechnet mit Verweis auf eine aktuelle Studie von RegioData Research vor: Im Vorkrisenjahr 2019 erzielte der stationäre Einzelhandel in Österreich durch Touristen Umsätze in der Höhe von 5,8 Mrd. Euro. Den überwiegenden Großteil davon generierten ausländische Touristen mit mehr als 4,2 Mrd. Euro. Inländische Touristen erzeugten einen Umsatz von rund 1,6 Mrd. Euro. Im Corona-Jahr 2020 brach der Umsatz bei den Touristen dann um fast ein Drittel auf rund 4,1 Mrd. Euro ein. »Die Zahlen zeigen deutlich, dass nicht nur mit dem Kultur-Lockdown, sondern vor allem auch mit dem Ausbleiben der Touristen dem österreichischen Einzelhandel ein wichtiges Standbein verloren gegangen ist. Mit jedem Schritt in Richtung Normalität kann der Handel wieder besser durchatmen«, zeigt sich Trefelik optimistisch und hofft auf weitere Öffnungsschritte.

Lockdown-Ende in Wien und Niederösterreich am 2. Mai

In Niederösterreich geht der aktuelle Lockdown am 2. Mai zu Ende, gab Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am vergangenen Freitag bekannt. Das sei für die betroffenen Unternehmen wirtschaftlich auch »dringend notwendig und zu begrüßen«, so Trefelik. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig zog am Dienstag nach. Trefelik am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal: »Das sind endlich wieder einmal gut Nachrichten. Der Handel in Wien und Niederösterreich hat wieder eine Perspektive«. Indessen fordert Trefelik weiterhin zusätzliche Unterstützungen für die von Lockdowns betroffenen Unternehmen: »Der für die Monate März und April aufgestockte Ausfallbonus von 15 auf 30 Prozent ist eine wichtige Unterstützung für die vom Lockdown betroffenen Betriebe. Die Hilfen müssen jedoch aufgestockt und die Obergrenze von 50.000 Euro für die beiden Monate angehoben werden, um das wirtschaftliche Überleben der Händler zu sichern.«

Von Manuel Friedl und Brigitte Pfeifer-Medlin